Impuls zum 6. Ostersonntag

Gedanken zum Sonntagsevangelium  (Johannes 14, 15-21)

von Stefan Witt, Pastoralassistent

Allein in dem letzten Vers dieses Abschnittes des Evangeliums ist das Wort ´Liebe´ vier Mal enthalten „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh, 14,21)

Der Text des Evangeliums vom 6. Sonntag der Osterzeit ist ein Teil aus den Abschiedsreden Jesu Christi an seine Jüngerschaft. Er bereitet sie darauf vor, dass er sterben und zu Gott Vater heimkehren wird. Also teilt er ihnen noch einmal das Wichtigste seines Vermächtnisses mit.

Und das Wesentliche seiner Botschaft ist das Hauptgebot der Liebe: der Liebe zu Gott, zu uns selbst und zu den Nächsten. Und dies zeigt sich auch und gerade in der Solidarität und Hinwendung zu den Armen, Kranken, Marginalisierten und Sündern.

Die Liebe, von der Jesus spricht, ist also nicht nur ein Gefühl, sondern Tat. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – dieser Satz geht auf Erich Kästner zurück und dürfte auch als klares Plädoyer für Zivilcourage verstanden werden. Es meint, dass sich nur in unseren Handlungen zeigt, ob wir gut sind oder nicht.

„Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann werden sie das Gesicht der Welt verändern.“ Das Sprichwort entlastet uns davon, den ganz großen Wurf der Weltveränderung landen zu müssen. Es sind indes die kleinen guten Dinge, die wir tun können, wie ein freundliches Zulächeln, wie ein verständnisvolles Zuhören, wie Beistand und (nachbarschaftliche) Hilfe, wie Worte des Trostes oder der Ermutigung, wie ein unverhoffter Brief oder wie ein Anruf, mit dem wir uns erkundigen: Wie geht es Dir? Wenn wir uns berühren lassen von unserem Nächsten, weil er uns zu Herzen geht.

Elie Wiesel, der das KZ überlebt hat, hat mal gesagt: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“ Er war der Ansicht, dass man nur die Menschen hassen könne, die einem wichtig sind. Bei der Gleichgültigkeit, da verschließe ich mich und lasse niemanden mehr an mich heran, ich bin dann kalt und unempfindlich. Ich wehre jede Liebe ab und weigere mich, einen anderen zu lieben.

Von dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer (1875-1965) stammt das Wort: „Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“ Wäre doch wunderbar, wenn wir später einmal über die Zeit der Corona-Krise zurückblickend sagen könnten, welche kleinen „Spuren der Liebe“ wir in dieser Welt versucht und womöglich hinterlassen habe.