Sonntagsgedanken

Zum Vierten Fastensonntag, 14.03.2021

Bild: Ute Gutkowski

Gott wirkt in der Geschichte der Menschen

Der vierte Sonntag der Fastenzeit hat den Namen Laetare! (Freue dich!). Aber interessanterweise bezieht sich die Lesung aus der Alten Testament (2 Chr 36, 14–23) auf die Zerstörung des Tempels und die babylonische Gefangenschaft der Israeliten im 6. Jahrhundert vor Christus, die als eine Strafe Gottes für das Volk Israel galten.

Als die Bewohner von Juda und Jerusalem sich moralisch an ihre heidnischen Nachbarn anglichen und die Anweisungen der Propheten ständig ignorierten, ließ Gott den vernichtenden Überfall der Babylonier zu. Die  allermeisten Israeliten wurden ins Zweistromland deportiert. Sie hatten da genug Zeit um ihr eigenes Verhalten und ihre Beziehung zu Gott zu reflektieren: „An den Strömen von Babel, da saßen wir und wir weinten, wenn wir Zions gedachten.“ (Ps 137,1).

Dieses unglückliche Ereignis sollte zu einer Läuterung dienen, und das war nicht das letzte Wort von Gott. Nach fast 40 Jahren kamen die Perser nach Babylon und wurden „Werkzeugen“ für die Befreiung des Volkes Israel, dem die Schuld bereits vergeben war.

Gott hat Kyrus, den König von Persien, für seine Pläne benutzt, obwohl dieser König wahrscheinlich Jahwe kaum kannte. Trotzdem konnte Gott seine Person nutzen, um das Volk Israel aus der babylonischen Gefangenschaft zu befreien.

So ähnlich ist es manchmal in unserem Leben. Gott wirkt nicht nur durch der heiligmassige Menschen um uns wieder aufmerksam zu machen und zur Umkehr zu rufen. Verschiedentlich werden wir durch die Worte oder das Verhalten eines Menschen überrascht, der gar nichts mit dem Glauben zu tun hat. Seien wir offen für die Stimme Gottes, die von ganz unerwarteten Seite kommen kann.

Gott bleibt nicht passiv und gleichgültig. Als der Allmächtige und Barmherzige ist er immer präsent in der Geschichte aller Menschen und in unserem Leben heute. Und so lautet die Botschaft der Freude von diesem Sonntag – Leatare!

Grezgorz Kruszewski