Sonntagsgedanken

Zum Fünften Fastensonntag, 21.03.2021

Bild: Martin Manigatterer In: Pfarrbriefservice.de

Wie kann man sterben, um weiter zu leben?

Der fünfte Sonntag in der Fastenzeit ist eine direkte Einführung in die Thematik des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Er selbst weiß schon, dass „die Stunde“ gekommen ist. Er hat Angst und seine „Seele ist erschüttert“ (Joh 12,27). Jeus versucht sich selbst und seine Jünger darauf vorzubereiten und spricht die Worte aus, die noch heute für uns merkwürdig klingen:

Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (Joh 12,25). Und das ist nicht nur eine poetische Metapher, sondern die Wirklichkeit. Jesus verbindet dies nämlich mit einem ganz realen Beispiel: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24).

Man kann sich zwei verschiedene Arten vom „Sterben“ eines Kornes vorstellen.

Rein theoretisch stirbt ein Korn schneller, das in die Erde fällt und aufkeimt. Es verwandelt sich und lebt gleich danach vervielfacht weiter in seinen zahlreichen Früchten. Wenn aber dieses Korn nicht aufgeht, weil es aus irgendwelchen „egoistischen“ Gründen seine Gestalt länger behalten will, vergeht seine Zeit auch, und es stirbt sowieso. Diese zweite Art von Sterben ist also fruchtlos und sinnlos, und eben vor solchem Sterben möchte Christus uns bewahren.

Was bedeutet das nun für unser Leben? Soll jeder von uns schon jetzt darüber nachdenken, wie er in der Zukunft richtig stirbt?

Das Sterben, wie Jesus es meint, bezieht sich nicht nur auf einen Zeitpunkt am Ende des irdischen Weges. Es ist auch ein Teil jedes Tages unseres Lebens, und wird in allen Taten der Liebe, des Dienstes und der Hingabe an die Nächsten sichtbar. Da „sterben“ wir für den Egoismus, um den Willen Gottes an die erste Stelle zu setzen. Dann endet unser Leben auch nicht nach dem Tod, weil seine Früchte ewig bestehen.